Jedermann in León würde stolz behaupten, dass die Stadt ganz und gar anders ist als der Erzrivale Granada. Das kann der Unkundige gerne mit einem Stirnrunzeln abtun, denn auf den ersten Blick ist kaum ein Unterschied auszumachen. Denn León ist – genau wie Granada - eine Kolonialstadt, war zeitweise Hauptstadt von Nicaragua, und hat ihren Zenit längst überschritten.
Bemerkenswert im Vergleich zu Granada fand ich die vielen Kirchen, die überall in der Stadt zu finden sind. Zu diesen gehört auch die Kathedrale von León, die als die größte und älteste Kirche Mittelamerikas gilt und leider in keinem guten Zustand ist. Von deren Dach (oder wie auch immer man das bei so einer Kirche nennt) hat man einen fantastischen Ausblick über León und die umliegenden Vulkane.
Was León neben seinen Kirchen noch besonders macht, ist seine Geschichte. Als intellektueller Mittelpunkt Nicarguas und Zentrum der Revolutionskämpfe hat diese Stadt über Jahrzehnte hinweg für ein unabhängiges und demokratisches Nicaragua gekämpft – und schließlich gewonnen.
Ein Höhepunkt dieser Zeit ist gewiss die Ermordung des einstigen Diktators Anastasio Somoza García durch den aus León stammenden Dichter López Pérez. Ein Attentat, das beide mit ihrem Leben bezahlten und den einen zum Nationalhelden machte.
Nicaragua hat für diese stürmischen Zeiten einen hohen Preis gezahlt. Neben den tausenden Menschen die während dieser Zeit verfolgt und ermordet wurden, haben die politischen Unruhen Nicaragua zum ärmsten und schlechtentwickelsten Land in ganz Zentralamerika gemacht. Dies ist zu großen Teilen auch dem jahrelangen Eingreifen der USA zu verdanken, die die jeweiligen politischen Führer wie Marionetten gegeneinander ausgespielt und für ihre eigenen Interessen eingesetzt haben.





