Kurz darauf starte ich eine endlose Fahrt in einem holprigen Shuttle, um von Antigua in das bergige und dichtbewaldete Hinterland von Guatemala zu kommen. Hier erwartet mich das Naturreservat Semuc Champey, welches Tief im Herzen Guatemalas liegt. Mit Tom, einem Newsdirector a.D. aus Toronto, den ich während der Fahrt näher kennenlerne, plansche ich in den türkisgrünen Wasserbecken, die der Rio Cahabón dort aufwirft. Die anschließende halbstündige Wanderung zum hochgelegenen Aussichtspunkt ist zwar schweißtreibend, belohnt mich aber mit einem fantastischen Blick über diese natürliche Poollandschaft, welche von den steilen Wänden einer Schlucht eingerahmt wird.
Semuc Champey liegt so abgeschieden in der Wildnis, dass die Menschen hier weder Netzempfang für Mobiltelefone noch permanente Elektrizität haben. Strom und Licht gibt es für uns Touristen zwar dank eines Generators, jedoch wird dieser nur von 18 bis 22 Uhr angeschaltet. Nach 22 Uhr ist es deshalb stockdunkel und es herrscht Nachtruhe – möchte man zumindest denken – aber der Dschungel (oder besser gesagt seine Bewohner) legen jetzt erst richtig los. Überall grunzt, zirpt, raschelt, summt und flattert es in der Dunkelheit und das mit einer unglaublichen Lautstärke.
Am nächsten Tag unternehme ich eine unterirdische Tour durch das benachbarte Höhlensystem. Unser Führer hat zwar aus Sicherheitsgründen eine Taschenlampe dabei, jedoch wird diese nicht eingesetzt. In Badeshorts und bewaffnet mit einer brennenden Kerze bahnen wir uns den Weg durch die unheimliche Dunkelheit der kalten Grotten. Diese sind teilweise so stark mit Wasser gefüllt, dass wir schwimmen müssen. Da wir die Kerze beim Schwimmen mit einer Hand vor dem Löschen schützen müssen, bleibt zum Paddeln nur eine Hand übrig. Der Führer erzählt uns, dass er zusammen mit seinem Chef einmal versucht hat, das Ende des Höhlensystems zu erreichen, jedoch ohne Erfolg. Die beiden mussten aufgrund von Proviantmangel nach drei Tagen wieder umkehren.